Eine ganz besondere Beziehung

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„Die Kamera macht aber schöne Fotos.“ Es gibt kaum einen anderen Satz, mit dem man die Leistung eines Fotografen weiter herabwürdigen kann. Sie sagte das zu mir, nachdem ich sie und ihre Freundin nach einer Veranstaltung fotografierte. Nämliche Freundin nahm mich kurz darauf zur Seite und zeigte sich verwundert. „Sie war mit dem Foto einverstanden? Sie hasst es, fotografiert zu werden.“ Kurze Zeit später schrieb ich Ekaterina Belowa an, um sie zu fragen, ob sie sich von mir fotografieren lassen wolle. War es Trotz, hatte sie mich herausgefordert, wollte ich mir die Absage abholen? Keine Ahnung. Das viel Überraschendere war, dass sie sich gern zu einem Fototermin bereit erklärte, ja, die, die es hasste, fotografiert zu werden. Es war ein denkwürdiger Termin, weil ich die Frau nicht nur kaum kannte, sondern sie auch zu Nachtaufnahmen einlud, von denen ich außerhalb der Theorie wenig wusste.

Der vorliegende Bildband zeigt Bilder einer selbstbewussten Frau, die sich reichlich wenig um Fragen der Emanzipation schert. Sie geht ihren Weg, ohne sich darum zu kümmern, was Männer darüber denken. Und das ziemlich erfolgreich. Also genau so, wie es die meisten Frauen halten. Das Buch zeigt aber mehr. Wer genau hinschaut, entdeckt die sich verändernde Beziehung zwischen einer Frau und ihrem Fotografen. Sechs Mal trafen wir uns, um immer wieder Neues zu entdecken. Über ein Jahr erstreckte sich diese Zusammenarbeit, und sie ist noch nicht beendet. Aus Ekaterina wurde Katjuscha.

Es ist in der künstlerischen Fotografie genauso wie in anderen Lebensbereichen. Die Zeiten, in denen sich Frauen sagen ließen, wie sie sich vor der Kamera zu bewegen oder zu verhalten haben, gehören allmählich der Vergangenheit an. Ich persönlich betrachte das als Gewinn. Das Rollenverständnis, in dem der Fotograf der Frau vor der Kamera sagt, was sie zu tun hat, weicht zunehmend einer Zusammenarbeit der Menschen vor und hinter der Linse. Das mag zwar hier und da mehr Zeit erfordern, trägt aber letztlich zum ausdrucksstärkeren Foto bei. Die Folie weicht dem Inhalt. Sebastião Salgado beeindruckte mich dereinst mit einer Serie, in der er alte Frauen hochästhetisch porträtierte. Er vermittelte eine wichtige Botschaft. Falten sind kein Zeichen von Vergänglichkeit, sondern der sichtbare Beweis erworbener Lebenserfahrung. Ich betrachte sie seither als Lebenslinien. Und bin Ekaterina Belowa dankbar, dass sie das Selbstbewusstsein entwickelte, Bilder „out of camera“ zu zeigen, die auf die glättende Wirkung einer Bildbearbeitung vollständig verzichten.

So sind Bilder entstanden, die wahre Schönheit und Tiefe zutage bringen. Dank der gemeinsamen künstlerischen Auseinandersetzung bleiben die so entstandenen Fotografien jenseits jeder Fassade, und da ist es nur konsequent, dass ich ihr meinen ersten Bildband widme.